23. Februar 2022

Der Klimawandel unterscheidet nach Geschlecht

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„Ein – und – zwanzig“: Und wieder erblickten vier neue Erdenbürger das Licht der Welt! Schier unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass das pro Stunde 14 400 Geburten bedeutet. Und jedes Mal ist es wieder ein Wunder.

Ja, es ist tatsächlich ein Wunder, wenn so ein kleiner Mensch gesund auf die Welt kommt, zum ersten Mal schreit und am Busen seiner Mutter trinkt. In vielen Ländern der Welt sind Schwangerschaft und Geburt für das Kind, vor allen Dingen aber für die Frauen, mit vielen Risiken behaftet. Laut WHO sterben jährlich ca. 200 000 Frauen aufgrund von pränatalen Komplikationen. Der allergrößte Teil davon in Entwicklungsländern.

In den letzten 20 Jahren konnten die Todesfälle von Müttern weltweit um ein Drittel gesenkt werden. Dieser positive Trend ist vor allen Dingen in Ländern, „in denen es eine zuverlässige, bezahlbare, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung gibt“, zu verzeichnen, so Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. Das Risiko ein Kind zu bekommen ist für Frauen in Subsahara-Afrika 50 Mal gefährlicher als in Industrieländern. Grundlegend verantwortlich dafür sind die nach wie vor schwachen Gesundheitssysteme dieser Länder (Dejongh, 2019).

Durch Bildungsmaßnahmen, medizinischen Support aus dem Ausland und die Ausstattung mit moderner Technologie, ist mit einer Verbesserung der Situation auch in den ärmeren Ländern zu rechnen. Einen Weg, den auch die Artemed Stiftung z.B. im St. Walburg’s Hospital in Nyangao, Tansania verfolgt, indem sie die gynäkologische Abteilung mit Expertise und Equipment unterstützt. Ebenso ist das Mutter-Kind-Zentrum in Bogale, Myanmar, eine solche Initiative. Allerdings gehen Experten davon aus, dass der Klimawandel neue Faktoren mit sich bringt, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken werden. Und tatsächlich werden Frauen davon stärker betroffen sein, als Männer.

Ein großes Problem ist dabei die Zunahme von Extremwettereignissen und Hitzewellen: Laut einer Studie aus Südafrika (Francis et al., 2020) sind Hitzeexpositionen während der Schwangerschaft mit einer Zunahme an Früh- und Totgeburten assoziiert. Nach Schmidt (2020) steigt mit jedem Grad Temperaturanstieg das Risiko dafür um 5 %, bei Hitzewellen sogar um 16 %. Direkte Auswirkungen der steigenden Temperaturen sind Trockenzeiten und Dürren. Diese haben meist zur Folge, dass weite Wege zurückgelegt werden müssen, um an Wasser zu gelangen – eine Aufgabe, die in der Regel von Frauen und jungen Mädchen übernommen wird. Auch bei ausfallenden Ernten sind es überwiegend die Töchter, die zuhause bleiben müssen, um ihren Müttern zu helfen. Meist geht das mit einem Abbruch des Schulbesuches einher.

Für Mädchen, die eine Schule besuchen, bedeuten Überschwemmungen und starke Regenfälle häufig die Notwendigkeit im Schulgebäude zu übernachten. Vielerorts kommt es dann vermehrt zu sexuellen Übergriffen, was wiederum ungewollte Schwangerschaften und weitere Schulabbrüche mit sich zieht.

Überschwemmungen und Hitze sind auch verantwortlich für eine Zunahme an Parasiten. Unter anderem konnte bereits eine Zunahme der Malariainfektionen festgestellt werden. Diese betrifft zwar Frauen wie Männer gleichermaßen, dennoch ist es primär die weibliche Bevölkerung die dann die Krankenpflege übernimmt und deren Bildung dadurch wieder zu kurz kommt.

Als Folge von langen Dürren ist eine Zunahme der Waldbrände zu verzeichnen. Die in die Luft getragene Asche verschlechtert die Luftqualität maßgeblich, die sowieso durch Industrie- und Autoabgase bereits vielerorts stark verpestet ist. Aktuelle Studien belegen, dass ein Einatmen von kontaminierter Luft unter anderem zu Nierenversagen bei Schwangeren führen kann. Frühgeburten und Geburten von untergewichtigen Säuglingen sind teilweise darauf zurückzuführen (EPA, 2016).

Auch wenn die Zukunft hier zunächst düster wirkt, so liegen doch die Herausforderungen und die Möglichkeiten, die Anlass zur Hoffnung geben, klar auf der Hand: Der Schlüssel liegt in einem verbesserten Bildungsangebot, speziell für Frauen und junge Mädchen: Qualifiziertes medizinisches Personal leistet gute Vorsorge und ist wiederum in der Lage weiter auszubilden. Eine bessere Ausbildung stärkt die Rolle der weiblichen Mitglieder in der Gesellschaft und folglich nehmen die beschriebenen Problematiken ab. Ein positiver Kreislauf kann in Gang gesetzt werden.

In Nyangao unterstützt die Artemed Stiftung daher ein Projekt zum „Women Empowerment“, das von tansanischen Ärzten initiiert wurde. Hier steht die Ausbildung von Frauen an erster Stelle. In den kommenden Jahren soll es weiterentwickelt werden und dazu dienen, der genderspezifischen Ungleichheit, die unter anderem der Klimawandel mit sich bringt, entgegenzuwirken.

 

Quellen:

EPA,  (2016): Climate Change and the Health of Pregnant Women

Francis, M. et. al (2020): Associations between high temperatures in pregnancy and risk of preterm birth, low birth weight, and stillbirths: systematic review and meta-analysis. In: BMJ 2020;371:m3811. DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.m3811

Dejongh, F. (2019): Neue Zahlen zu Kindersterblichkeit und Müttersterblichkeit. Pressemitteilung UNICEF.

Schmidt, J. (2020): Führt der Klimawandel zu mehr Früh- und Totgeburten? In: Gynäkologie + Geburtshilfe. Ausgabe 6/2020.

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