Karies und Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) haben weitreichende Folgen für den gesamten Körper. Bakterien gelangen aus dem Mundraum in die Blutbahn, wodurch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes, Frühgeburten sowie Rheuma erhöht wird. Chronische Entzündungen schwächen das Immunsystem und können zu Organschäden führen. Die Integration von zahnärztlicher Versorgung in die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs – Non-Communicable Diseases) ist in Afrika ein wachsendes, zentrales Gesundheitsthema, das in die Global Health Agenda aufgenommen wurde. (Quellen: BAG, Dental Tribune )
Wir freuen uns sehr, dass wir Dr. Heike Büchner, Zahnärztin aus Bremen für einen ersten Einsatz in Tansania gewinnen konnten. Sie bringt langjährige Erfahrung mit, hat auf dem Ärzteschiff der Swimming Doctors in Myanmar die zahnmedizinische Versorgung aufgebaut hat und begleitet die Behandlungen dort aufgrund der aktuellen politischen Situation virtuell.
Ziel des Einsatzes war die Beurteilung der zahnmedizinischen Abteilung und Versorgungssituation am St. Walburg’s Hospital in Nyangao, die Schulung der Kollegen, die Durchführung von Behandlungen sowie die Umsetzung präventiver Maßnahmen in umliegenden Dörfern und Schulen.
Die Armut vieler Patient:innen führt zu einer deutlichen Einschränkung der Inanspruchnahme zahnmedizinischer Leistungen. Die Extraktion eines Zahnes kostet 10.000 Tansanische Schilling (ca. 3,30 Euro), eine provisorische Füllung 15.000 Schilling und eine Compositfüllung 27.000 Schilling (ca. 9 Euro). In vielen Fällen wird die Wahl der Therapie nicht durch die medizinische Indikation, sondern durch die finanziellen Möglichkeiten der Patientinnen und Patienten bestimmt!
Wichtige Präventionsarbeit wurde in der Primary School Nyangao geleistet, die sich in unmittelbarer Nähe des Hospitals befindet. Insgesamt 409 Schüler:innen in den Altersstufen von der Vorschule bis zur Jahrgangsstufe 7. Davon leben 53 Schüler:innen mit Beeinträchtigungen wie Blindheit, Taubheit und Albinismus in der Schule.
Die Maßnahmen umfassten eine intensive Aufklärung über zahngesunde Ernährung, die Entstehung von Karies sowie die richtige Zahnputztechnik und -dauer. Bei den jüngeren Kindern demonstrierten ausgewählte Kinder die Putztechnik an den Modellen, bevor alle Kinder eine Zahnbürste und Zahnpasta erhielten. Das Zähneputzen wurde dann gemeinsam in Gruppen geübt. Viele Kinder hielten erstmals eine Zahnbürste in der Hand. Bei den älteren Kindern wurden die Zähne angefärbt. Nach der Putzkontrolle erfolgte die Befundung. „Die Ergebnisse waren erschreckend“, berichtet Dr. Heike Büchner: „Etwa die Hälfte der Kinder besitzt keine Zahnbürste, bei rund 25 % fehlt zusätzlich die Zahnpasta. Die Untersuchungen der Schüler zeigten einen sehr hohen Behandlungsbedarf: Zwei Drittel der Kinder wiesen bereits kariöse Zähne auf. Die Kinder putzen – wenn überhaupt – nur 1 x täglich morgens die Zähne.“ Zum Abschluss erhielten alle Schüler:innen Zahnbürsten und Zahnpasta, teilweise auch für die Geschwisterkinder. Für eine bessere Reproduzierbarkeit wurde die Untersuchung der zweiten Klasse und der Internatsschüler an einem Nachmittag mit Dr. Eduardo wiederholt. Außerdem erfolgte der eindringliche Appell an die Betreuer:innen der Internatsschüler das abendliche Zähneputzen zu kontrollieren. Der Schulleiter Mr. Richard zeigte sich sehr motiviert und sicherte seine Unterstützung zu. Schon am nächsten Morgen haben alle Kinder gemeinsam auf dem Schulhof Zähne geputzt. Dr. Eduardo, der neue Zahnarzt des Hospitals wird in Zukunft die Betreuung der fünf Schulen, die in der Nähe des Hospitals liegen, übernehmen.
Mit geringem zeitlichem und finanziellem Aufwand kann so das Bewusstsein der Kinder für Zahngesundheit nachhaltig gestärkt werden. Für zukünftige Schulbesuche wurden insgesamt 1500 Zahnbürsten und 240 Tuben Zahnpasta im Store des Hospitals gelagert. Regelmäßige Besuche sind sinnvoll, um den langfristigen Erfolg der Maßnahmen zu sichern.
Auch drei Dörfern in der Nähe des Krankenhauses stattete Heike Büchner gemeinsam mit Geni, Joan und Anodi von unserem Community Health Team einen Besuch ab. Insgesamt erreichten sie 321 Personen, überwiegend Frauen und Kinder. Die zahnmedizinische Prophylaxe ließ sich gut in den Ablauf der Veranstaltung integrieren und wurde von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen. Wie bereits in der Schule erfolgte eine umfassende Aufklärung über Ernährung, Mundgesundheit sowie die Bedeutung des regelmäßigen Zähneputzens, insbesondere bei Kindern. Auf Nachfrage gaben alle Frauen an eine Zahnbürste zu besitzen; jedoch putzte nur eine Frau auch abends die Zähne. Bei den durchgeführten Untersuchungen zeigte sich ein sehr hoher Behandlungsbedarf: Etwa 90 % der untersuchten Personen wiesen behandlungsbedürftige Befunde auf. Das Wissen über die Entstehung und Vermeidung von Karies und Parodontitis ist im ländlichen Bereich nur gering. Gemeinsam mit Dr. Kasoga, dem ärztlichen Leiter des St. Walburg’s Hospitals wurde beschlossen, die zahnmedizinische Prophylaxe in das Community Health Projekt aufzunehmen. Daraufhin erfolgte eine gezielte Schulung von Joan, die diese Aufgabe in Zukunft übernehmen wird. Die mitgebrachten Schautafeln wurden nummeriert und beschriftet. Die verschiedenen Zahnputztechniken für Kinder und Erwachsene am Modell geübt. Eine regelmäßige Begleitung und Schulung durch deutsche Zahnärzt:innen ist wünschenswert.
Nach ihrem Einsatz konnte Heike Büchner die nächsten Schritte gleich mit zwei Kollegen planen, die beide ebenfalls Erfahrung in Tansania und weiteren Ländern des globalen Südens gesammelt haben. Ein herzliches Dankeschön für das großartige ehrenamtliche Engagement und die Empathie für das gemeinsame Projekt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in der benachteiligten Region!










