9. Februar 2022

Zurück in der zweiten Heimat

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Darauf hatten Sr. Dr. Ullamariam Hoffmann und Angelika Hartmann lange gewartet: Nach einem Jahr ohne Reisen nach Tansania, konnten die beiden im Januar 2022 endlich wieder zu einem Einsatz in das St. Walburg’s Hospital, Nyangao, aufbrechen.

Sr. Dr. Ulla-Mariam Hoffmann, Oberärztin und Leiterin der Palliativstation am Benedictus Krankenhaus in Tutzing, verbrachte bereits eine Weile während ihrer Facharztzeit in einem Krankenhaus in Tansania. Seither fühlt sie sich mit dem Land und den Menschen dort stark verbunden und hat die Artemed Stiftung in der Vergangenheit schon bei Einsätzen unterstützt.

Auch Angelika Hartmann war nicht zum ersten Mal mit uns vor Ort: Die Fachkrankenschwester für Hygiene, Anästhesie und Intensivpflege vom Hospital zum Heiligen Geist (Kempen) konnte unter anderem im Oktober 2019 durch ihre Expertise entscheidend zur Verbesserung des Hygienekonzeptes in Nyangao beitragen.

Trotz der Erfahrung der beiden Frauen ist ein Einsatz in Tansania immer wieder mit vielen Herausforderungen verbunden und die aktuelle Situation durch die pandemische Lage hat weitere Unsicherheiten mit sich gebracht. Umso bemerkenswerter ist es zu sehen, dass zusätzlich zu der täglichen Unterstützung des medizinischen Personals vor Ort, den beiden eine umfassende Analyse der vorherrschenden Situation in den Bereichen Hygiene, Sauerstoffversorgung und Innere Medizin gelungen ist. Maßgeblich mit daran beteiligt waren außerdem unsere Teammitglieder Antonie Deucker und Axel Schmidt, die sich vorrangig um den Zustand des Labors gekümmert haben.

Der Bereich Hygiene umfasst dabei nicht nur die Bedingungen in OP- und Behandlungsräumen, sondern zum Beispiel auch den Umgang mit der anfallenden Wäsche. Es klingt banal, aber eine nicht ausreichend ausgekochte Wäsche birgt große Risiken für die Übertragung von Krankheiten. Ebenso ist es für uns schwer vorstellbar, dass es Probleme mit der Wäsche geben könnte, es reicht doch, diese in die Waschmaschine zu tun und auf 90 Grad einzustellen. So jedoch nicht in einem Land wie Tansania, in dem es schwierig ist, Wasser auf diese Temperatur zu erhitzen und Waschmaschinen mit entsprechenden Eigenschaften zu finden. Zudem mangelt es an Wissen über die Folgen von nicht ausreichender Wäschehygiene. Gemeinsam mit den tansanischen Kollegen wurden die Probleme identifiziert und werden nun Stück für Stück behoben.

Nicht erst seit Covid-19 spielt das Thema Sauerstoffversorgung eine große Rolle in der medizinischen Versorgung. Seit der Pandemie ist uns jedoch allen klar, dass die Versorgung mit Sauerstoff lebensrettend sein kann. Auch auf diesem Gebiet ist es in Tansania sehr viel schwieriger genügend gute Geräte zu besitzen und zu warten. Unsere Einsatzteilnehmer haben die Zeit vor Ort genutzt und gemeinsam mit den tansanischen Kollegen eine umfangreiche Inventur vorgenommen. Kaputte und angeschlagene Geräte wurden entsorgt. Eine Standard Operating Procedure (SOP) wurde gemeinsam mit den Ärzten vor Ort entwickelt und plakativ umgesetzt. Mit zusätzlichen Einweisungen und Schulungen soll somit zukünftig der richtige Umgang mit den verschiedenen Sauerstoffgeräten gewährleisten sein. Die Frage, wie künftig für genügend Sauerstoff vor Ort gesorgt werden kann, ist komplex und wird uns noch eine Weile beschäftigen, aber es gibt bereits einige Ideen, wie eine Lösung aussehen könnte.

Schwer mitgenommen hat die Einsatzteilnehmer das Schicksal eines jungen Tansaniers. Der kräftige junge Mann wurde mit zunächst unklaren gesundheitlichen Beschwerden eingeliefert. Die Laboranalyse zeigte schließlich akutes Nierenversagen. Es gab mit den Möglichkeiten vor Ort keine Chance, den jungen Mann zu retten. Leider scheint Nierenversagen in der Bevölkerung ein immer häufigeres Problem darzustellen, was vermutlich unter anderem auf Pestizide in Lebensmitteln und der Einnahme von vermeintlichen pflanzlichen Heilmitteln zurückzuführen ist. In einer Fachgruppe wird nun überlegt, wie dieser Entwicklung entgegengewirkt werden kann, um solche Schicksale wie das des jungen Mannes künftig zu vermeiden.

Ein sehr schöner Nebeneffekt der Arbeit im Januar war die Intensivierung der Kooperation mit dem medizinischen Personal vor Ort und unseren deutschen Helfern. Die gemeinsame Entwicklung von Strategien und Maßnahmen auf einer Augenhöhe ist Basis für eine langfristige Verbesserung der Versorgung im St. Walburg’s Hospital.

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