18. Oktober 2026

Karibu – Willkommen im St. Walburg’s Hospital

Unterstrich_grau

„Nirgendwo wird man so herzlich und freundlich begrüßt wie im St. Walburg’s Hospital in Nyangao!

Während unseres Einsatzes Anfang Oktober durften wir das Krankenhaus und das Team vor Ort kennenlernen. Wir, das sind Isabelle Laiacker, Assistenzärztin Visceralchirurgie und Valentina Pfeiffer, Assistenzärztin Gefäßchirurgie am Artemed Klinikum München Süd. Der Schwerpunkt unseres Aufenthaltes lag darin, die aktuellen Prozesse im Outpatient Department kennenzulernen, in der Ambulanz und hier insbesondere in der Notfallversorgung im Emergency Department und den dortigen Abläufen der Triage der Patienten. Auch, um angesichts der anstehenden Renovierungen und Neubauten im Rahmen des Masterplans die Arbeitsabläufe sowie den Patientenfluss abzubilden und für die Zukunft in den neuen Räumen optimieren zu können.

Die Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal leisten jeden Tag enorm viel – und das nahezu immer mit begrenzten Ressourcen. Eine allgemeine Krankenversicherung gibt es nicht. Nur ca. 20%-25% der Bevölkerung verfügen über eine Basisversicherung. Die meisten Menschen können sich eine Behandlung erst leisten, nachdem sie über Wochen das nötige Geld dafür angespart haben. Deshalb suchen viele Patientinnen und Patienten erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium medizinische Hilfe. Sie leiden beispielsweise an einem entgleisten Diabetes, an einer Sepsis infolge einer Wunde oder an schweren Elektrolytverschiebungen aufgrund einer Dehydratation.

Auch Verkehrsunfälle mit dem Boda Boda, einem Motorrad, das hier eines der wichtigsten Transportmittel ist, gehören zum Alltag. Wer zu Fuß in die Notaufnahme kommt, muss warten. Patientinnen und Patienten, die im Rollstuhl oder auf einer Liege gebracht werden, haben hingegen Vorrang.

In der kleinen, aber mit allem Notwendigen ausgestatteten Notaufnahme erfolgen der Erstkontakt, die Blutentnahme und das Monitoring. Vor jedem weiteren diagnostischen oder therapeutischen Schritt muss jedoch zunächst ein Familienmitglied die Behandlung an der Kasse bezahlen, sofern sie keine Versicherung haben. Für Menschen, die über sehr wenig Geld verfügen, steht ein Social Welfare Officer zur Verfügung, der prüft, ob und wenn ja, wie viel Preisnachlass möglich ist. Das Krankenhaus hat die niedrigsten Preise der Region, um Anlaufstelle für die ärmsten Familien der Gegend zu sein. Dennoch kann es auch nur in einem gewissen Rahmen auf die Einnahmen verzichten, um die laufenden Kosten tragen zu können. Fehlt das Geld, müssen Patientinnen und Patienten das Krankenhaus daher mitunter verlassen, ohne die notwendige medizinische Versorgung erhalten zu haben. Eine äußerst belastende Situation für die Patientinnen und Patienten und das behandelnde Team!

Bei einer stationären Aufnahme erfolgt die Unterbringung auf einer der fünf Stationen: der Männer-, Frauen- oder Kinderstation, der Geburtshilfe oder der Privatstation. Kritische oder instabile Patientinnen und Patienten werden auf die Intensivstation (ICU) verlegt.

Ist die Krankheit überstanden, verlassen die Patientinnen und Patienten gemeinsam mit ihren Angehörigen das Krankenhaus – oft mit dem Boda Boda, mit dem sie auch gekommen sind. Während ihres Aufenthaltes übernehmen die Familienmitglieder die tägliche Pflege und kümmern sich auch um Essen und Trinken. In einem Gebäude neben dem Krankenhaus befinden sich Lehmöfen zum Kochen, sowie sanitäre Anlagen und begrenzte sehr einfache Möglichkeiten, zu übernachten.

Die Zeit in Nyangao hat uns nicht nur spannende Einblicke in den medizinischen Alltag ermöglicht, sondern auch eindrücklich gezeigt, mit wie viel Engagement die Mitarbeitenden trotz begrenzter Ressourcen täglich für ihre Patientinnen und Patienten da sind.“

Ein herzliches Dankeschön aus der Stiftung an Valentina Pfeiffer und Isabelle Laiacker, dass Sie ihren Urlaub investiert haben, um einen frischen Blick von Außen auf die Prozesse zu werfen. Hilfreich war für alle Seiten, dass beide bereits in medizinischen Einrichtungen in Tansania ein wenig Erfahrung sammeln konnten.

Teile diesen Beitrag

Spenden

Unterstützen Sie die Artemed Stiftung bei der Mission „Gemeinsam heilen helfen“ und schenken Sie Menschen in Not mit Ihrer Spende Gesundheit!

Einsatzorte

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten