Im April 2019 erhielt der damals 7-jährige Aldo, der von frühester Kindheit an taub war und im Kinderheim der Fundacion Arco Iris in La Paz, Bolivien, aufwuchs, dank des großartigen Engagements von Dr. Marius Contzen und Dr. Jerome Servais in Deutschland ein Cochlea Implantat eingesetzt (wir berichteten).
In einem kleinen Film wurde seine bewegende Reise zur Operation nach Deutschland und die ersten Momente des „Hörens“ festgehalten.
Nach einigen Wochen konnte Aldo wieder zurück nach Bolivien reisen.. Irgendwann wurden die Kontakte weniger und das Team der Artemed Stiftung fragte sich, ob dies nur an den Herausforderungen der Corona Pandemie liegen konnte.
Im Herbst 2025 erfuhren wir, warum die Street Doctors in den letzten Jahren fast keine Nachrichten von ihm erhalten hatten. Aldo war adoptiert worden und daher nicht mehr in der Betreuung der Fundacion Arco Iris. Eine Adoption wird sehr sensibel behandelt und Informationen nur selten nach außen gegeben. Was wie ein großes Glück für Aldo schien, stellte sich als großes Unglück heraus. Aldo hatte keinerlei Förderung bekommen, um den erhofften Nutzen aus dem Implantat zu ziehen, und er wurde tatsächlich von seiner Adoptionsfamilie wieder ins Kinderheim „zurückgegeben“, wie mir die Psychologin und Heimleitung sehr emotional berichtete. Er erhält im Heim jede dort mögliche Art der Förderung und ist bei allen äußerst beliebt. Als ich Aldo im September traf, stellte sich heraus, dass das Hörgerät bzw. der Prozessor, welches das Implantat ergänzt, zu alt und wohl schon sehr lange unbrauchbar war.

Wir kontaktierten umgehend Aldos Operateur, Dr. Jerome Servais, heute Chefarzt der Ohrenklinik des Artemed Heilig-Geist-Hospitals Bensheim und fragten ihn um Rat. Dank einer großzügigen Spende konnte bald ein Ersatzgerät nach La Paz gebracht werden.
Diese Woche war es soweit: Der Prozessor des Gerätes wurde während eines Video Calls remote über eine App von Deutschland aus konfiguriert und kalibriert, während Aldo mit Betreuerin und Gebärdendolmetscherin in La Paz im Kinderheim Zeichen gab und auf die ersten Töne reagierte. Dieser bewegende Moment war mit unendlich großer Spannung erwartet worden. Niemand konnte vorhersagen, ob angesichts der Jahre außerhalb des Kinderheims das Implantat Schaden genommen hatte, z.B. durch einen Sturz o.ä. Doch das erste Ergebnis war positiv. In Kürze wird es ein weiteres virtuelles Treffen geben, um die Technik noch feiner einzustellen und zu sehen, wie es Aldo mit dem Gerät geht.

Aldos Gehör wird nie vollständig wiederhergestellt werden – das war schon nach der komplizierten Operation 2019 klar – nun sind wertvolle Jahre ungenutzt verstrichen. Doch jetzt gibt es wieder Hoffnung, dass der überaus sympathische, interessierte Jugendliche wenigstens soweit hören lernen kann – und vor allem, sich etwas auszudrücken – so dass er eine Chance hat, einen Beruf zu erlernen und sich ein selbst bestimmtes Leben aufzubauen, wenn er als Erwachsener nicht mehr im Kinderheim bleiben kann. Eine riesige Herausforderung angesichts der großen Armut in La Paz – in Bolivien, dem ärmsten Land ganz Südamerikas. Wir wünschen Aldo von ganzem Herzen, dass es gelingt und tun alles, was uns möglich ist, um nun mit ihm in Kontakt zu bleiben!
Danke für Ihre Spende, mit der Sie Kindern und Jugendlichen wie Aldo in La Paz Gesundheit und ein Leben in Würde schenken!

