20. September 2022

Weltkindertag

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Lamin öffnet seine Augen. Durch das glaslose Fenster sieht er es regnen – dennoch hat es hier in Myanmar bereits so früh am Morgen fast 25° C. Seine Mutter steht bereits nehmen ihm, mit einer kleinen Schale Reis in der Hand. Sie setzt sich auf den harten Holzboden zu ihrem acht Jahre alten Sohn und weist ihn an aufzustehen. Lamin schiebt die verfilzte Decke von seinem Körper, steht auf, geht aus dem Haus und wäscht sich geschwind in der Waschschüssel sein Gesicht. Danach setzt er sich mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern vor das Haus und isst das Frühstück. Eigentlich verlangt sein Magen noch nach mehr Nahrung, aber er weiß, dass die Familie derzeit nur wenig zu Essen hat und bittet daher nicht um eine zweite Portion.

Sein Vater ist bereits vor einer Stunde losgezogen, um zur Arbeit zu kommen. Noch vor gut zwei Jahren wäre Lamin nun mit seinem Bruder und seiner Schwester in die Schule gegangen. Aber seit dem Beginn der Coronapandemie und dem Militärputsch in seinem Land haben viele Bildungseinrichtungen geschlossen. Über die Hälfte der Kinder sind daher zuhause und helfen ihren Eltern bei der Arbeit. So gehen auch diese drei gemeinsam los, um im Nachbardorf einem Fischer bei seiner Arbeit zu unterstützen. Der Weg dorthin ist mühsam und führt über matschige Wege, die durch die gerade abklingende Monsunzeit teilweise stark überschwemmt sind. Bis zum Mittag werden sie nun auf dem hölzernen Boot verbringen und die gefangenen Fische ausnehmen und in Kisten sortieren.

Wenn Lamin seine kurze Mittagspause beginnt und sich wieder ein wenig Reis teilt, wird auch Toni – gut 8 000 Kilometer entfernt – von seiner Mutter geweckt. Sie zieht die Vorhänge auf. Auch bei ihm regnet es heute. Allerdings wird es in diesen ersten Herbsttagen im Jahr den ganzen Tag über frisch bleiben. Der Achtjährige quält sich aus seinem kuscheligen Bett. Er hat heute einfach keine Lust auf Schule. In dem hellen, warmen Bad warten schon seine Geschwister. Alle sind noch etwas verschlafen; die Aussicht aber auf das Frühstück lässt ihre Lebensgeister etwas erwachen und schließlich erscheinen alle am gedeckten Tisch. Hier stehen Müsli, Joghurt, Obst, Brot und verschiedene Aufstriche. Da auch Tonis Vater bereits zur Arbeit gefahren ist, isst auch er mit seinen Geschwistern und seiner Mutter alleine. Am liebsten würde er immer nur Joghurt mit Honig essen, aber seine Mutter überredet ihn manchmal zu wenigstens ein Bisschen Brot oder Müsli, um für den Schulvormittag gestärkt zu sein. Nach dem Zähneputzen gehen auch diese drei Kinder gemeinsam los. Auf dem Rücken der Schulranzen mit einer Brotzeit. Knapp drei Minuten brauchen sie zur Bushaltestelle, wo ein Schulbus sie abholt, zur Schule bringt und am Mittag wieder nachhause fährt.

Wenn Toni sich dann über einen Haufen dampfender Nudeln hermacht und über die viel zu vielen Hausaufgaben schimpft, liegt Lamin bereits wieder auf dem Boden unter seiner verfilzten Decke und träumt. Er träumt von der Zeit als er noch zur Schule gehen konnte und so viele wichtige Dinge lernen durfte.

Zwei Achtjährige Jungs, in deren Leben es viele Gemeinsamkeiten gibt. Zwei Achtjährige Jungs, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben. Zwei Achtjährige Jungs bei denen bereits jetzt – trotz der vielen Gemeinsamkeiten – klar ist, dass sich diese Leben in der Zukunft grundlegend unterscheiden werden.

Die unterschiedlichen Bedingungen in denen die Kinder dieser Welt aufwachsen, haben in den vergangenen Jahren wieder stark zugenommen. Die Pandemie sowie nationale und internationale politische Krisen haben die Armut in vielen Regionen der Welt drastisch verschlimmert. Durch ausfallende Ernten, Überschwemmungen und Brände, verursacht durch das sich ändernde Klima, wurde die Nahrungs- und Wohnungssituation vielerorts zusätzlich verschärft.

An dem heutigen Weltkindertag gilt es daher, uns dieser Ungleichheit bewusst zu werden, und den Kindern dieser Welt mehr Achtung und Würde zu schenken – sowohl in unserem eigenen Land als auch weltweit.

Wir versuchen unser Bestes, wenigstens einem kleinen Teil dieser Kinder zu helfen. So dass Jungs wie Lamin doch ein wenig hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können.

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