23. August 2022

Ein Laparaskop für Tansania

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Schon lange hat unser gynäkologischer Kollege im St. Walburgs‘ Hospital in Tansania, Herr Dr. Kasoga, großes Interesse daran gezeigt, seine Fähigkeiten im operativen Bereich zu verbessern. Bei unserem Einsatz im Herbst 2021 wurde dieser Wunsch abermals bekräftigt und da auch tatsächlich eine große Notwendigkeit für das Krankenhaus in diesem Bereich besteht, wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie wir ihm hier am sinnvollsten weiterhelfen können.

So wurde entschieden ein Laparoskop zu besorgen. Nach einer fachmännischen Installation und Anleitung in Nyangao, kann es dann in Betrieb genommen werden. Zunächst soll es für gynäkologische Eingriffe, wie zum Beispiel bei Eileiterschwangerschaften Verwendung finden.

Ein Laparoskop wird für minimalinvasive Operationen in der Bauchhöhle verwendet. Das heißt, der Eingriff ist durch kleine Hautschnitte möglich und große offene Wunden werden vermieden. Während der Laparaskopie wird die Bauchhöhle mit Kohlendioxid aufgeblasen, um so in dem entstandenen Hohlraum zwischen Bauchwand und Organen genügend Platz für die Operation zu haben. Durch die kleinen Zugänge ist das Risiko an einer postoperativen Wundinfektion zu erleiden stark minimiert. Da die meisten dieser Geräte mit Hilfe von Gas funktionieren, wurde aber in der Vergangenheit der Einsatz in Tansania als sehr kritisch angesehen. Bedenken bestanden, dass Zwischenfälle mit austretendem Gas bedingt durch unsachgemäße Handhabung oder Gerätedefekte, nicht ohne Gefährdung des Patienten und des Personals, zu lösen seien. Recherchen unserer Gynäkologin Dr. Solveig Groß haben jedoch erbracht, dass zum Beispiel bereits in Indien Laparoskopien durchgeführt werden, die ohne Gas auskommen. Hier wird anstelle der Gasinsufflation, die Bauchdecke mit einem Hebegriff angehoben.

Nachdem die Funktionalität dieser Varianten geprüft wurde, hat Frau Groß alle Hebel in Bewegung gesetzt, und es tatsächlich geschafft über die Firma KARL SOTRZ SE & Co. KG ein solches Gerät zu beschaffen. Auch die notwendige zusätzliche Ausstattung wurden organisiert.

Frau Groß wird nun im September nach Tansania fliegen und das Gerät mitnehmen. Vor Ort wird sie es aufbauen und Herrn Kasoga Schritt für Schritt in das Bedienen des Laparaskops und die Technik der Laparoskopie einarbeiten. Nach ihrem zweiwöchigen Aufenthalt wird sie von ihrem Kollegen Dr. Kurt Bischofberger aus Deutschland ‚ersetzt‘, der dann die Schulung weiter übernimmt. Im Anschluss wird Herr Kasoga selbständig in der Lage sein, selbstständig laparoskopisch zu operieren und das Wissen darüber auch an sein Personal weiterzugeben. Um zu vermeiden, dass bei Komplikationen oder Unklarheiten Probleme entstehen, wurden außerdem Möglichkeiten geschaffen über Remote Learning Plattformen mithilfe des deutschen Fachpersonals diese direkt zu klären.

Nach einer erfolgreichen Einführung und Testphase in der Gynäkologie soll weiteres Personal geschult werden, sodass die Technik auch in weiteren chirurgischen Bereichen, wie zum Beispiel bei Blinddarmentfernungen, eingesetzt werden

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