31. März 2022

Klimaschutz = Kinderschutz

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Wer kennt es nicht? Das Telefon klingelt, die Krippe, der Kindergarten oder die Schule ist am Apparat. Dem Nachwuchs geht es nicht gut: hat sich übergeben, klagt über Kopfschmerzen oder fühlt sich schlapp. Wir lassen alles stehen und liegen, packen uns zusammen und holen den kleinen Patienten so schnell es geht nach Hause. Nichts ist uns wichtiger als das Wohl unseres Kindes. Geht es ihm nicht gut, geht es uns auch nicht gut.

Diese Situation hat mit Sicherheit jeder als Eltern schon erlebt. Damit es unserem Sprössling schnell wieder gut geht, fahren wir geschwind einkaufen, um ihm ein paar kleine Leckereien zu kaufen. Eine frische Mango, ein Schälchen Erdbeeren –  Vitamine sind ja wichtig. Zuhause gibt es große Freude über das Obst. Zur weiteren Aufmunterung erzählen wir noch über die in vier Wochen anstehende Flugreise in den Sommerurlaub. Langsam fallen die Äugelein zu. Schlafen wird den Kleinen schnell wieder auf die Beine bringen. „Gut gemacht“ – ein Blick auf den Kassenzettel lässt uns kurz wegen dem Preis der Erdbeeren schlucken. Sie sind eben ein Luxus im März, aber für die Gesundheit unserer Kinder ist uns eben nichts zu teuer. Oder?

Klimaschützern sträuben sich die Nackenhaare, wenn sie das hören: Früchte aus Übersee und Sommerurlaub mit dem Flugzeug? Mit so einem Verhalten können wir maximal das augenblickliche Wohl unseres Kindes verbessern. Langfristig gesehen wird es sich aber negativ auf seine Gesundheit auswirken – und nicht nur auf seine, sondern auf seine ganze Generation und auch auf die Nachfolgenden.

Schon heute wird bei Kindern weltweit eine Häufung bestimmter Krankheiten festgestellt, die eindeutig auf den Klimawandel und sich verschlechternde Umweltbedingungen zurückzuführen sind. Dabei spielen vor allen Dingen bei Kleinkindern und Säuglingen die Zunahme von langanhaltenden Hitzeperioden eine große Rolle, da deren Thermoregulationssystem noch nicht ganz ausgebildet ist. Die kleinen Körper neigen somit viel schneller zur Überhitzung als die von Jugendlichen und Erwachsenen. Besonders in Städten, die sich tagsüber stark aufwärmen und nachts nur gering abkühlen, kommt es zu sogenannten tropischen Nächten (> 20 °C), während derer die Kinder leiden (Lob-Corzilius, 2021).

Ein weiterer Effekt, der insbesondere die urbanen Bereiche betrifft, ist der zunehmende Straßenverkehr, einhergehend mit einer hohen Rußpartikelanzahl. Vor allen in den Metropolen der Schwellenländer, nimmt die Luftbelastung durch Abgase und Industrie stark zu. Kombiniert mit Hitzewellen und Dürreperioden wird dieser Effekt noch verstärkt (Witt, 2019). Auch hier sind Kinder, Alte und Menschen mit Vorerkrankungen in besonderem Maße betroffen, da deren Lungen nicht so belastbar wie die gesunder Erwachsener ist. Bei Kindern kommt erschwerend hinzu, dass sich ihre Atemorgane meist auf der Höhe befinden, auf der die Abgaskonzentration besonders hoch ist. Eine ähnliche Situation findet man auch in vielen Entwicklungsländern vor, wo der häusliche Herd mit Holz betrieben wird und eine hohe Rußpartikelbelastung die Folge ist.

Ein bisher noch wenig erforschter Aspekt ist außerdem die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen. Hierbei muss unterschieden werden in i) eine Angst vor den Folgen des Klimawandels und ii) traumatisierende Ereignisse, die durch den Klimawandel hervorgerufen wurden. Letztes betrifft vor allen Dingen Kinder die Naturkatastrophen miterleben mussten, welche sich nachhaltig negativ auf ihre Lebenssituation auswirkten. Solche Erlebnisse gehen häufig mit dauerhaften Angstzuständen und Depressionen einher (Kowalski, 2019).

Eine grundsätzliche Angst vor zukünftigen Entwicklungen hingegen, kann weltweit bei Jugendlichen festgestellt werden. Eine Studie unter etwa 10 000 jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren aus den verschiedensten Kontinenten zeigte, dass mehr als die Hälfte der Befragten Angst vor der Klimakrise haben und diese ihren Alltag negativ beeinflusst.

Obwohl wir an einer Veränderung des Klimas und den Klimawandelfolgen kaum etwas ändern können, haben wir doch die Möglichkeit, durch unser tägliches Leben, die Stärke der Auswirkungen zu beeinflussen: Denn vermutlich wäre unser kleiner Patient genauso schnell wieder gesund geworden, hätten wir ihn mit regionalem und saisonalem Obst versorgt. Und auch Erzählungen über den Sommerurlaub am weniger weitentfernten Badesee hätten ihn bestimmt schnell in einen wohltuenden Schlaf versetzt…

Quellen:

Kowalski, K. 2019: Climate change poses mental health risks to children and teens. In: Science news for students.

Lob-Corzilius, T. 2021: Was wissen Kinder- und Jugendärzte über den Einfluss des Klimawandels auf die Kindergesundheit – und was sollten sie wissen? DGKJ-Kongress

Witt, C. 2019: Deutscher Lungentag: Einfluss des Klimawandels auf Lungenerkrankungen: Deutsche Atemwegsliga e. V.

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